Anleger, die sich etwa durch eine Stille Betei­ligung an der Luxus­pfand­leihe des Pfand­hauses Lombardium Hamburg beteiligt haben könnten durch die Eröff­nungen der Insol­venz­ver­fahren über die Vermögen des Pfand­hauses Lombardium Hamburg GmbH und Co. KG, der Erste Oderfelder Betei­li­gungs­ge­sell­schaft mbH & Co. KG sowie der Lombard Classic 3 GmbH & Co. KG einen Großteil ihrer Einlagen verloren haben.

 

Worum es geht: Pfand­leihe von Luxus­gütern

Das Hamburger Pfandhaus Lombardium Hamburg GmbH und Co. KG belieh vornehmlich Luxus­güter, wobei das Geschäfts­modell vorsah, durch die Ersten Oderfelder Betei­li­gungs­ge­sell­schaft mbH & Co. KG als auch die Lombard Classic 3 GmbH & Co. KG der Lombardium Hamburg GmbH und Co. KG Darlehen zur Verfügung stellten, mit welchem dann gegen Faust­pfand von Luxus­pfand­gütern wiederum Darlehen an die Pfand­geber ausge­geben werden konnte. Von Anlegern wurde im Rahmen von Stillen Betei­li­gungen an der Ersten Oderfelder Betei­li­gungs­ge­sell­schaft mbH & Co. KG entspre­chende Gelder für die Darle­hens­vergabe einge­sammelt. Im Verkaufs­pro­spekt über „LombardClassic 2“ liest sich das so:

Mit LombardClassic 2 inves­tieren die Anleger indirekt in das Lombard­kre­dit­ge­schäft, in dem der Anlage­betrag genutzt wird, eine Vielzahl von Lombard­kre­diten an verschiedene Kunden zu gewähren. Als Sicherheit für diese Darlehen werden exklusive Wertge­gen­stände durch die Kredit­nehmer hinterlegt. Die Vergabe und Abwicklung der Einzel­kredite erfolgt über das hansea­tische Lombardhaus, die Firma Lombardium Hamburg GmbH und Co. KG, nachfolgend auch Lombardium. Ein tradi­ti­ons­reiches Geschäft – Geld gegen Pfand!“

Das Geld für die Pfand­leiher erhielt das Pfandhaus Lombardium durch Kredite von der genannten Erste Oderfelder Betei­li­gungs­ge­sell­schaft mbH & Co. KG, an der die Lombardium Mehrheits­ge­sell­schaf­terin sowie Komman­di­tisten war. An der Erste Oderfelder Betei­li­gungs­ge­sell­schaft mbH & Co. KG und Lombard Classic 3 GmbH & Co. KG konnten sich wiederum Privat­an­leger zu einer stillen Betei­ligung betei­ligen.

 

Was war passiert: Fehlende BaFin‐Erlaubnis, Unter­de­ckung der Luxus­si­cher­heiten

Der BGH entschied in seinem genannten Urteil, dass Darle­hens­ge­bühren, die gegenüber Verbrau­chern für den Fall der Darle­hens­aus­zahlung über die allge­meinen Bedin­gungen für Bauspar­ver­träge geregelt sind, unwirksam sind.

 

Auffassung des Gerichts: Darle­hens­ge­bühren in vorfor­mu­lierten Bauspar­ver­trägen sind gegenüber Verbrau­chern unzulässig

Neben Luxus­gütern wie Schmuck, Uhren, Edelsteine, Edelme­talle und Kunst belieh die Lombardium Hamburg GmbH und Co. KG auch Inhaber­grund­schuld­briefe und Inhaber­aktien. 2013 belief sich die Beleihung von Inhaber­grund­schuld­briefen auf ein Volumen von 23.000.000 Euro. Das Verwal­tungs­ge­richt Frankfurt a.M. hat mit Urteil vom 22.06.2016 gegenüber der Lombardium Hamburg festge­stellt, dass die Besicherung eines Kredits durch Inhaber­schuld­briefe keine Kredit­vergabe gegen Faust­pfand im Sinne von § 2 Abs. 1 Nr. 5 KWG darstellt. Die Unter­sa­gungs­ver­fügung der BaFin derar­tiger Geschäfte war recht­mäßig, sodass der Lombardium Hamburg die Grundlage für dieses Geschäfts­modell entzogen war und ihr von Anfang an die BaFin‐Erlaubnis zur Vornahme von Pfand­dar­le­hens­ge­schäften in Bezug auf Inhaber­pa­piere fehlte.

Es wurde auch festge­stellt, dass die belie­henen Luxus­güter deutlich weniger wert waren, als angenommen, so dass eine erheb­liche Unter­de­ckung der Sicher­heiten durch die belie­henen Luxus­güter im Verhältnis zu dem ausge­zahlten Belei­hungs­betrag gegeben war. Wegen des Verdachts der zweck­wid­rigen Verwendung von Anleger­geldern (Betrug) sowie Verstoß gegen das Kredit­we­sen­gesetz wurden von der zustän­digen Staats­an­walt­schaft Ermitt­lungen gegen die Verant­wort­lichen, unter anderem auch gegen den Geschäfts­führer der Lombardium Hamburg, einge­leitet.

Des Weiteren wurde Ende Juli 2017 das Insol­venz­ver­fahren über das Vermögen der Lombardium Hamburg eröffnet. Auch über die Vermögen der Betei­li­gungs­ge­sell­schaften Lombard Classic 3 GmbH & Co.KG und der Erste Oderfelder Betei­li­gungs­ge­sell­schaft mbH & Co. KG wurde das Insol­venz­ver­fahren eröffnet.

 

Unvoll­ständige Verkaufs­pro­spekt­an­gaben

Die Lombardium Hamburg war zum Gründungs­zeit­punkt an der Ersten Oderfelder Betei­li­gungs­ge­sell­schaft mbH & Co. KG mit 60 % der Komman­dit­an­teile beteiligt. Nach dem Ausscheiden der drei übrigen Gründungs­kom­man­di­tisten am 22.07.2011 wurde die Lombardium Hamburg GmbH & Co. KG zu 90 Komman­di­tistin, jeden­falls hielt diese laut dem Prospekt als Komman­di­tistin eine Betei­ligung von 90 % am Ergebnis der Komman­dit­ge­sell­schaft. Mit dieser beherr­schenden Stellung war demnach die Lombardium Hamburg GmbH & Co. KG der bestim­mende Teil der Kreditgeberin, mithin also der Ersten Oderfelder Betei­li­gungs­ge­sell­schaft mbH & Co. KG. und gleich­zeitig auch Kreditnehmerin. Die Lombardium Hamburg hat sich über die Erste Oderfelder Betei­li­gungs­ge­sell­schaft mbH & Co. KG letzt­endlich selbst Kredite vergeben. Diese Konstel­lation, als Kredit­neh­merin aufgrund der gesell­schafts­recht­lichen Beherr­schung die Kredit­ge­berin zu kontrol­lieren stellt einen schwer­wie­genden Inter­es­sens­kon­flikt dar.

Auf diesen schwer­wie­genden Inter­es­sens­kon­flikt und auf die fehlende BaFin‐Erlaubnis hätte im Verkaufs­pro­spekt hinge­wiesen werden müssen, meint Rechts­anwalt Fürstenow.

 

Was sollte jetzt getan werden: Schadens­er­satz­an­sprüche prüfen

Zunächst sollte jeder Anleger seine Forderung aus der (Stillen) Betei­ligung zur Insol­venz­ta­belle anmelden, was auch nach dem mittler­weile abgelau­fenen Termin des Insol­venz­ver­walters möglich ist.

Weiter kann gegen Berater oder Vermittler der Betei­ligung ein Schadens­er­satz­an­spruch bestehen, wenn Berater oder Vermittler den Anleger bei seiner Beitritts­ent­scheidung falsch beraten hat, indem er beispiels­weise über wesent­liche Risiken einer solchen Anlageform bezüglich auf diese recht kompli­zierte Anlage nicht richtig belehrt und infor­mierte.

Auch könnte ein Schadens­er­satz­an­spruch (Prospekt­haftung) gegen die Gründungs­kom­man­di­tisten der Lombard Classic 3 GmbH & Co.KG bezie­hungs­weise der Erste Oderfelder Betei­li­gungs­ge­sell­schaft mbH & Co. KG vorliegen. Denn diese wären durchaus, so Rechts­anwalt Fürstenow, gegenüber den beigetre­tenen Anlegern verpflichtet gewesen, im Rahmen des Prospekts über die fehlende BaFin‐Erlaubnis und den schwer­wie­gendem Inter­es­sen­kon­flikt als mit dem Beitritt verbundene Risiko sachlich richtig und vollständig zu infor­mieren.

Einer Haftung als Gründung­kom­man­di­tisten steht auch nicht entgegen, dass zum Zeitpunkt der Veröf­fent­li­chung des Prospekts der Ersten Oderfelder Betei­li­gungs­ge­sell­schaft mbH & Co. KG am 29.08.2011 Gründungs­kom­man­di­tisten bereits zuvor am 22.07.2011 ausge­schieden sind. Denn die zeitliche Nähe des Ausscheidens aus der der Ersten Oderfelder Betei­li­gungs­ge­sell­schaft mbH & Co. KG am 22.07.2011 und der Veröf­fent­li­chung des Prospekts am 29.08.2011, ist, so meint Rechts­anwalt Fürstenow, durchaus beachtlich.

Wenn Sie auch geschä­digter Anleger sind, berät Sie Rechts­anwalt Sascha C. Fürstenow hierzu gerne und bietet vorab eine kostenlose und unver­bind­liche Erstein­schätzung Ihres Sachver­halts an.

Schaden der Anleger von Lombar­di­C­lassic 2 und Lombar­di­C­lassic 3
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